Leichenpflege

Der uralte Streit zwischem dem Buchstaben, der tötet / tot ist, und dem Geist, der lebendig macht – Es liegt mir ja eigentlich fern, die erhabene Poesie des von mir hochverehrten Paul Celan für profane Zwecke zu missbrauchen, aber im Hinblick auf die Text- und Sinnpflege – und ganz im Sinne des postmodernen „Anything goes“ – seien diese schönen Verse einfach mal rausgehauen

Celan Leiche

Wenn einem die Wörter irgendwann nur noch fremd und seltsam vorkommen, dann ist es dringend an der Zeit, eine Pause zu machen. 😉

 

beinhalten

Bildbrüche, Stilblüten, seltsame Gewächse

Metaphern sind gut. Metaphern sind schön. Metaphern können – richtig eingesetzt – selbst den knochentrockensten Text ein wenig befeuchten (Achtung: Das war eine unoriginelle, dafür aber konsistente Metapher). Gerade las ich den Satz:

Ein Hauch von X schwappt nach Y.

Das ist eine gutgemeinte, aber falsche Metapher. Ein Bildbruch. Wir neunmalkluge Germanisten sagen dazu auch Katachrese 😉
Denn: Hauche schwappen nicht. Schwappen tut nur Flüssiges. Was tun Hauche? Wabern? Wasweißich.

Bildbrüche können aber auch lustig sein, wenn sie zur Stilblüte werden („eingefleischter Vegetarier“). Eine Besonderheit der Stilblüte ist die „verquere Redensart“, von denen Kathi Dorp einige schöne Exemplare auf ihrer Website gesammelt hat https://verquereredensarten.tumblr.com/

Also, Obacht bei den Bildern! Sonst geht der Krug so lange zum Brunnen, bis er kotzt.

amt

»Er sagt immer ›Agamemnon‹ statt ›angenommen‹, so sehr hatte er seinen Homer gelesen.« (Lichtenberg)

 

 

»Aufmerksamkeit ist das natürliche Gebet der Seele.« (Malebranche)

Vita contemplativa versus vita activa

»Blüht unsere Seele nur in Gewitternächten auf? Es liegt mir nahe zu glauben, daß ein Greis, der im Lehnstuhl sitzt und beim schlichten Lampenschein verharrt, der, ohne sie zu begreifen, alle die ewigen Gesetze belauscht, die rings um sein Haus walten, in Wahrheit ein tieferes, menschlicheres und allgemeineres Leben lebt als der Liebhaber, der seine Geliebte erdrosselt, der Führer, der einen Sieg erringt.«

(Maurice Maeterlinck; gefunden bei Egon Friedell)

»il n’y a pas de hors-texte« (Derrida)