Heißer Tipp

Zugegeben: Das ist ein alter Hut. Aber im Rahmen von Textkorrekturen nicht uninteressant. Und ich muss, selbstkritischst, auch zugeben, dass ich schon oft in diese Falle getappt bin. Wie beispielsweise die berühmte „Beispielswiese“, auf der es sich bestimmt ganz dolle Fußball spielen lässt – die aber leider falsch ist. Microsoft Word gibt einem da eine wertvolle Unterstützung in Gestalt von rot unterschlängelten Wörtern. Aber leider nicht immer.

Verheerend kann es sein, wenn Texte nur als PDF vorliegen. Deshalb ganz heißer Tipp von mir: PDF-Texte immer sicherheitshalber in ein Word-File kopieren! Man wundert sich, wie viele rote Schlangen es dort noch gibt. Aber der fehlerfreie Text ist – wie andernorts schon heroisch in die Ferne blickend dargelegt – und bleibt ein Mythos.

 

 

 

Was ist eigentlich die Postmoderne? 

Schwierige Frage.

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich an der Universität des Saarlandes darüber doziert und so getan, als wüsste ich es. Sagen wir mal so: Ich weiß, dass es gut und notwendig ist, dass es diesen Begriff gibt, dass es Phänomene gibt, die nach ihm verlangen. Ich weiß aber auch, dass „Postmoderne“ ein rhetorisches Blähwort ist, das für den größten Mumpitz herhalten muss, wie zum Beispiel für belanglose Drogen-Geschichten von naseweisen Berliner Jungautorinnen, die irgendwelche Blog-Texte plagiieren und daraus dann eine herrlich subversive intertextuelle Tour de Force (oder so ähnlich – um mal den Ton der Klappentextmacher nachzuäffen) inszenieren.

Wer klug ist, hat es bekanntlich nicht nötig zu protzen. So auch Umberto Eco, der mit „Der Name der Rose“ ganz bewusst einen durch und durch postmodernen Roman geschrieben und – was selten für Schriftsteller ist – sogar noch so nett war, in der „Nachschrift zum Namen zur Rose“ sehr anschaulich zu erklären, wie denn die vielgepriesene Postmodernität seines Buches zu verstehen ist. Daraus stammt auch dieses Zitat – für mich nach wie vor die beste Definition von „postmodern“.

 

Umberto Eco

Lost in translation

„Poetry is what gets lost in translation“, sagt Robert Frost.
Was geht in diesem Fall verloren?
Ich bin geneigt zu sagen: alles!

 

Literatur, Kulinarik, Namedropping

Ein Freund sagte mir neulich: Theodor Fontane ist die Olivencreme der Literatur. Das trifft’s. Während ich in der Oberstufe bei der Lektüre von Effie Briest vor Langeweile fast gestorben wäre und Fontane in meiner jugendlichen Naivität für einen bierernsten Schwätzer gehalten habe, ertappe ich mich dabei, dass ich jetzt, gut 15 Jahre später, Gefallen an diesem Typen, und wie er schreibt, finde – und sogar die vielgepriesene Fontane’sche Ironie zu erkennen und goutieren weiß (wohingegen mir die von vielen gefeierte Komik eines Franz Kafka – bei aller Begeisterung – nach wie vor ein Mysterium ist).

Übrigens: Hat jemand von euch zufällig Marcel Prousts 4000-seitige Monumentalschwarte gelesen? Oder mal damit angefangen? Ich hab’s unlängst versucht. Bin nicht über Seite 50 hinausgekommen. Dass der Ich-Erzähler die ganze Zeit nur davon spricht, wie er abends ins Bett geht und seiner Mutter versucht, einen Gute-Nacht-Kuss abzutrotzen, hat mir echt den Stecker gezogen (wie Wolfgang Herrndorf in seinen Büchern immer so schön sagte).

Also, wenn Fontane die Olivencreme der Literatur ist, was ist dann Proust? Vielleicht Laphroaig? Den mag ich ja (noch) nicht, aber in ein paar Jahren bestimmt. Doch eins steht fest: Günter Grass wird immer mein ganz persönlicher Ziegenkäse bleiben.

Wissenschaftsquatsch

Unscheinbare Sätze wie dieser hier – in einer Dissertation zitiert und anscheinend aus einer Art „Standardwerk“ stammend – zeigen für mich wieder einmal ganz klar, was in den heutigen Geisteswissenschaften nicht stimmt. Banalitäten höchst verschwurbelt aufgeputzt! Drei Fremdwörter, eine gute Portion Adorno-Sound, eine sexy Inversion, ein schicker Genitiv, die vollkommene Unnötigkeit von Füllwörtern wie „immer noch“ – fertig ist der „poststrukturalistische Theorienquark“ (Herrndorf).

Donaldismus

Bei der Karrektur erwartet man seine Bewerbung schon sehnsüchtigst. In dreieinhalb Jahren ist es ja schon so weit. Und schlimmstenfalls warten wir eben länger.

 

Einhorn? Ehrlich jetzt?

Ich muss wirklich jeden Trend mitmachen! Schlimm.
Aber versprochen ist versprochen. 😉

 

einhorn

Geschäftsidee

Ich gehe ernstlich mit dem Gedanken schwanger, nächstes Jahr ein Einhorn-Lektorat anzubieten. Das ist wie ein normales Lektorat, nur regenbogenfantastisch und vegan. Und bisschen teurer. 😉einhorn

UMFRAGE: Vor welchen Wörtern ekelt ihr euch?

Ekelt ihr euch manchmal vor Wörtern? Oder – wenn „Ekel“ ein zu hartes Wort ist –: Welche Wörter bringen euch auf die Palme, regen euch auf, beleidigen euren guten Geschmack?

Es gibt ihn, den Ekel vor Wörtern. Und das ist jetzt keine verstiegene Privatidee von mir! Roland Barthes etwa hat davon geschrieben. Und bestimmt auch noch andere nachdenkliche Leutchen.

Eine Schulkameradin hatte damals eine ungeheure Abneigung gegen die Wendung „preiswerte Mahlzeit“. Das werde ich nie vergessen. Und auch wenn ich selbst dieses Wort so schlimm nicht finde, kann ich doch sehr gut nachvollziehen, was sie an ihm abstieß. Ekelhafte Wörter und Worte finden sich häufig, o Wunder, in der Werbung, im (Boulevard-)Journalismus und in der Politik. Sie haben etwas Unaufrichtiges, Geschwätziges, Inflationäres, Abgeschmacktes, Klebriges, nicht selten Euphemistisches. Benjamin von Stuckrad-Barre hasst etwa die häufig gehörte, putzig und keck klingen wollende Geschmacklosigkeit „Da purzeln die Pfunde“. Und wer will es ihm verdenken?

Doch: Der Wort-Ekel bezieht sich im Allgemeinen nicht auf Wörter, die auch Ekelhaftes bezeichnen. Zwar verweisen die Wörter „Spinnenabdomensalat“, „Seepockensperma“ und „Leihmumienanalsex“ (alle von Max Goldt) auf sehr eklige Sachen, doch haftet diesen Wörtern als solchen nichts Stereotyp-Abgedroschenes an, wie es meiner Meinung nach bei den genuinen Ekel-Wörtern der Fall ist.

Hier eine (sehr unvollständige) Liste meiner persönlichen Hass-Wörter und -Phrasen, die mir gerade in den Sinn kommen.

– Powerfrau / Frauenpower
– die Seele baumeln lassen
– Das schönste Bundesland der Welt
– proaktiv
– schmausen
– Foodporn
– …

Wovor ekelt ihr euch?

Hier geht’s zur Umfrage:

 

Aus der Reihe „Bücher, die die Welt nicht braucht“

Projektmanagement ist ein überaus beliebtes Thema bei BWL-Bachelor- und Masterarbeiten, von denen auch mir schon einige unter die Korrekturfuchtel gekommen sind.

Die Zeichen der Zeit hat auch der Springer-Gabler-Verlag erkannt und vor ein paar Jahren diesen unfassbar unnötigen ZITATENSCHATZ auf den Markt gekloppt. Klar, wenn ich alles das, was die Menschen seit 2500 Jahren so umtreibt, unter ›Projektmanagement‹ zusammenfasse, dann haben Aristoteles, Cicero, Nietzsche und Co. auch wirklich Bedeutsames dazu gesagt.

"Zitatenschatz"

Nachtrag

Doch Obacht! Es gibt auch Sätze, in denen ›und‹ zufällig nach einem eingeschobenen Relativsatz steht. Hier muss ein Komma hin. Ansonsten verändert sich der Inhalt des Gesagten auf abenteuerliche Weise.

 

relativsatz

Launig-Sonntägliches zur Zeichensetzung

kommaZum Glück hat das Gemaule über die neue deutsche Rechtschreibung mit den Jahren deutlich nachgelassen. Und ja: Manches an ihr ist, sagen wir mal, suboptimal. Doch wer wird gleich das Kind mit dem Bade ausschütten wollen? Die Macher, wer auch immer sie waren, werden sich schon etwas dabei gedacht haben, und es ist mir weitaus sympathischer, sich einem harmlosen Regelwerk zu unterwerfen, anstatt – wie es manche verstaubten Käuze ja immer noch tun – einfach stur nach der alten Rechtschreibung zu schreiben, weil man damit meint, irgendwelche weiß Gott was für ehrwürdigen Traditionen zu bewahren.

Wie ist das jetzt eigentlich mit dem Komma bei Hauptsätzen, die mit ›und‹ verbunden werden? Eine Bagatelle freilich; wegen Interpunktion werden keine Kriege geführt. Doch scheiden sich gerade über diesem Komma manchmal ein bisschen die Geister. Da sagt einer: Vor ›und‹ kommt nie ein Komma! Eine andere erwidert: Doch doch, wenn zwei Hauptsätze miteinander verbunden werden, dann kommt da eins hin. Und ein Dritter fragt: Was issen noch mal ein Hauptsatz? Spätestens dann googelt man, landet auf der Seite des Duden und ist nachher so klug als wie zuvor, weil man vor lauter Werbung gar nix mehr sieht.

Also: Ein Hauptsatz ist ein vollständiger Satz, der auch für sich alleine stehen kann, wie in dem Beispiel: ›der Hund bellte‹. Das Gute an der neuen deutschen Rechtschreibung ist nun: Es geht beides. Es ist also dem mehr oder weniger subjektiven Stilempfinden jedes Schreibenden überlassen, ob er zwischen mit ›und‹ verbundenen Hauptsätzen ein Komma setzt oder nicht. Sinnvoll ist das Komma immer dann, wenn damit die Satzstruktur deutlicher gemacht werden soll, wenn mit dem ›und‹ inhaltlich Disparates verknüpft wird oder wenn das Nicht-Setzen des Kommas zu Missverständnissen führen könnte.

In diesem Beispielsatz ist es übrigens schnurzpiepegal.

Zum Nachlesen – ganz ohne penetrante Online-Werbung: Duden. So schreibt man jetzt! Das Übungsbuch zur neuen deutschen Rechtschreibung. Mannheim 2006, S. 120-121.

gleichsam vs. gleichermaßen

Da mir jetzt schon sehr oft aufgefallen ist, dass viele (nicht nur Studenten) diese beiden Wörter verwechseln, möchte ich heute gerne ein wenig Bastian-Sick-esk herumdozieren.

Studenten

Quizfrage

Ein nicht auf den Kopf gefallener Sprach-Dégustateur und Homme de lettre hat mich darauf hingewiesen, dass es doch tatsächlich ein (relativ normales, ja alltägliches) deutsches Wort gibt, in dem die Buchstabenfolge „tztz“ direkt hintereinander vorkommt.

Tipp: Es ist nicht „Ratzfatz“ (Buchstaben nicht direkt hintereinander), und es ist auch nicht jenes bescheuerte „tz tz tz tz tz“ (kein richtiges Wort), das manche Sittenwächter altväterlich-jovial als Zeichen ihrer gemäßigten Empörung ihren moralisch defizitären Schutzbefohlenen zuzischen.

Wer kommt drauf?

tztz

Die richtige Antwort lautet:

 

„Besetztzeichen“

 

Übrigens wurde mir auf Facebook noch eine weitere Alternative zugetragen: „Schmutztzatziki“ (gebräuchliche Vokabel für die Standardspeise bei schlecht geführten Griechen).