Autsch …

Das tut meinem grammatikalischen Herzlein ganz dolle weh. Bisschen mehr Sprachgefühl hätte ich der ZEIT durchaus zugetraut!

Facetten

Eine kleine Sprachkritik von Max Goldt aus dem Jahr 2001

Susan Sontag kritisiert neben manch anderem, dass sämtliche Kommentatoren die Anschläge als „feige“ bezeichnen. Da hat sie natürlich Recht. Schon Ladendiebstahl erfordert Mut. Wie viel Mut braucht es da erst, ein Flugzeug zu entführen und es gegen ein Gebäude zu steuern. Man kann froh sein, dass die meisten Menschen zu feige sind, um so etwas zu tun. Sicherlich gibt es für die Attentate bessere Dekorationsadjektive, wie zum Beispiel ruchlos oder schändlich, sogar anmaßend wäre treffender als feige.

Es geht den Kommentatoren aber nicht um passende Adjektive, sondern um die Souveränität und Flüssigkeit ihres Vortrags. Um diese zu erlangen, sind in der Mediensprache viele Haupt- und Zeitwörter untrennbar an bestimmte Eigenschafts- und Umstandswörter gekettet. So wie Anschläge immer feige sind, werden Unfälle grundsätzlich als tragisch bezeichnet, obwohl es mit Tragik, also einer Verwicklung ins Schicksal oder in gegensätzliche Wertesysteme, überhaupt nichts zu tun hat, wenn jemand gegen einen Baum fährt. Ein solcher Vorgang ist banal – mithin ganz und gar untragisch. Vielleicht werden die Unfälle deshalb als tragisch bezeichnet, weil das Wort so ähnlich wie traurig klingt, und traurig ist ein Unfall immerhin für die Freunde und Angehörigen des zu Schaden Gekommenen. „Traurig“ ist den Medienleuten aber zu lasch, für sie ist Tragik wohl eine zackigere und grellere Form von Traurigkeit.

Storytelling

Die Karrektur schwafelt auf ihrer Website nicht nur, dass sie Storytelling kann. Sie tut es auch. Etwa für die an dem Projekt „Regionalmarke Neunkirchen“ teilnehmenden Betriebe. Die Texte zu den einzelnen Partner-Unternehmen stammen übrigens aus der Feder unserer geschätzten Kollegin Sophie Wild. Hier findet ihr den Link dazu: wertvolles-neunkirchen.de/partner-betriebe/

Storytelling

Jenes und Dieses

Wenn man sich in einem Satz auf zwei Elemente bezieht, die im Satz davor schon genannt wurden, aber wenn man diese beiden Elemente nicht noch einmal explizit erwähnen will, schreibt man oft:

Ersteres … Letzteres

Das ist nun nicht gerade die Jacobs-Krönung guten Stils (um mal eine kleine Verbeugung in Richtung eines wundervollen Kiffer-Films der Nuller-Jahre zu machen).

Ich selbst bin ja ein großer Fan der „Jenes … diese“-Schreibweise, die etwa Goethe in diesem netten kleinen Gedicht aus dem West-östlichen Divan verwendet:

Jenes [Erstgenanntes] … dieses [Letztgenanntes]

Aber, Achtung, diese Form könnte unter Umständen als zu „literarisch“ aufgefasst werden. Ob sie auch beispielsweise in BWL- oder Verwaltungsrecht-Abschlussarbeiten ihren Platz hat, traue ich mich nicht zu beurteilen. Vielleicht mal einen „Stilpapst“ fragen. Wolf  Schneider? Bastian Sick?

Atemholen